Der Schwimmteich als Naturerlebnis

 


Nach einem heißen Sommertag genügen schon 15 Minuten im kühlen Nass, um erfrischt und gestärkt herauszusteigen. Wer einen Schwimmteich besitzt, braucht dafür nur die Terrassentüre zu öffnen, sich der Kleidung zu entledigen und einzutauchen.

Was schwindet, wird wichtiger: Die Natur schwindet global, das Klima schwankt, fragwürdige Substanzen und elektromagnetische Strahlungen durchdringen unser Leben. Als Einzelperson fühlt man sich dem oft ausgeliefert und gleichzeitig machtlos … das sind wir aber nicht! Jeder Mensch, der über Grund und Boden verfügt, kann sein Stückchen Erde lebenswert gestalten und damit viel bewirken. Zwei Arten von Lebensräumen sind vom Schwund besonders stark betroffen: magere (nährstoffarme), trockene Standorte und kleine stehende Gewässer. Magere Trocken-Standorte lassen sich mit extensiver Flachdachbegrünung herstellen. Und der Schwimmteich im Garten ist als Feuchtbiotop nicht nur ein „hot spot“ üppigen Tier- und Pflanzenlebens, die Vielfalt der Natur lässt sich hier auch hautnah erfahren und begreifen. In kürzester Zeit besiedeln die typischen Vertreter der Kleinstgewässer den neuen Lebensraum im Garten. Kein Garten-Gestaltungselement kann in vergleichbarer Zeit eine solche Vielfalt vor der eigenen Haustüre schaffen.

Garantiert ökologisch gebaut!

Wasser im Garten ist keine neue Entwicklung; der Lebenstraum der westlichen zivilisierten Welt beinhaltet in den meisten Fällen Eigenheim mit Garten und Swimmingpool. Neu ist dabei aber der Ansatz, im Bade-Wasser nicht jegliches Leben zu vergiften – genau dies tut Chlor-Desinfektion –, sondern auf die Millionen Jahre alte natürliche Wasseraufbereitung zu setzen. Dazu braucht es fundiertes biologisches Wissen. In den vergangenen 20 Jahren wurde im Verband Österreichischer Schwimmteich- und Naturpoolbau (VÖSN) viel Know-how gesammelt; ca. 80 engagierte Gartengestaltungsfirmen und 20 Industriepartner garantieren unter dem wachsamen Auge einer unabhängigen Zertifizierungsstelle, dass ein Schwimmteich zur Zufriedenheit der Kunden und zum Vorteil heimischer Natur gelingt.

Beim Schwimmteich-Bau zu beachten

Entgegen einem gängigen Vorurteil gibt es für Schwimmteiche keine Mindestgröße. Natur im Wasser funktioniert vom Aquarium bis zum Badeteich immer gleichartig. Vielmehr gibt der Bewegungsdrang des nutzenden Menschen die Größe vor: Saunatauch- oder Sportbecken-Nutzer lautet die entscheidende Frage – abgesehen von Grundstücks- und Geldbörsengröße.

Nicht nur im Haushalt, auch im Schwimmteich gilt die Aufteilung „halbe – halbe“. Die eine Hälfte ist der pflanzlichen und tierischen Lebewelt vorbehalten, die andere den menschlichen Genießern. Erstere ist gemäß den Bedürfnissen der Pflanzen nach mehr oder weniger Wassertiefe strukturiert, die zweite ist mit Annehmlichkeiten für die Badenden ausgestattet: Einstiegstreppen und -leitern, Stehzonen und Unterwasser-Sitzbänke, Wasserrutschen und Getränkeflaschenhalter. Ein ebener und für kleinere Baumaschinen zugängiger Bauplatz erleichtert die Finanzierung. Schwierigere Verhältnisse – erschwerter Zugang, beträchtliche Hangsituation – erhöhen die Kosten, machen ein Projekt aber nicht unmöglich, frei nach: „Geht net, gibt’s net.“ Gängige Ausmaße sind mit leichten Abwandlungen pro Bundesland ohne behördliche Verfahren zu verwirklichen.

Die Bauweise selbst lässt viele Möglichkeiten zu: Egal, ob naturnah mit geschwungenen Ufern und lauschigen Buchten oder streng geometrisch – jede Form passt, solange sich die Tier- und Pflanzenwelt in ihrem Teil abseits des Nutzbereichs, dem sogenannten Regenerationsbereich (=Pflanzenzone), entwickeln kann. Herausragende Teichränder als Sitzmäuerchen oder ins Umland eingebunden, natürlich wirkende, leicht schräg abfallende Pflanzebenen oder gestufte, erdmodellierte, senkrecht gemauerte, mit Natursteinen oder Holz aufgebaute Nutzbereichswände – alles ist je nach Geschmack und Budget möglich.

Die Teich-Pflege

Schwimmteiche sind als naturnahe Lebensräume pflegearm, ganz verzichten lässt es sich darauf allerdings nicht. Jeder natürliche Lebensraum verändert sich mit der Zeit. Eine Wiese würde ohne Mahd zum Wald, und regelmäßiges Mähen bewirkt, dass die Wiese bleibt und – ungedüngt – immer artenreicher und schöner wird. Auch der Schwimmteich würde ohne Pflege verlanden. Pflanzenreste und Ablagerungen auf dem Boden verkleinern den Wasserkörper, übrig bleibt am Ende der Entwicklung ein kleines Moor.

Die notwendigen Pflegemaßnahmen am Schwimmteich sind daher:

• im Herbst die Sedimente in der Schwimmzone (=Nutzbereich) absaugen
• die oberirdischen Pflanzenteile abschneiden und entnehmen
• dort, wo massiver Laubfall von Bäumen droht, für ein paar Wochen ein Laubschutznetz spannen

Als oberstes Gebot gilt: Auf häufig angepriesene „Pflegemittelchen“ verzichten und selbstverständlich keinesfalls Chemie einsetzen!

Das ökologische Gleichgewicht

Als naturnahe Lebensräume werden Schwimmteiche mit den Jahren immer stabiler und artenreicher. Damit sind sie nicht nur ideal für Naturbegeisterte, sondern auch für die Nutzerinnen und Nutzer von Wochenend- und Ferienhäusern. Für Menschen, die gerne ihr Lebensumfeld gestalten und kontrollieren, stellen sie ein hervorragendes Übungsgelände für mehr Gelassenheit dar, denn außer den genannten Pflegemaßnahmen ist im und am Schwimmteich nur Genießen und Beobachten angesagt. Ausjäten und Umsetzen wie im Blumenbeet sind unerwünscht. Im Schwimmteich darf die Natur nach ihren Gesetzen den Raum nutzen und gestalten.

 

Martin Mikulitsch/VÖSN

Foto: unsplash/Jernej Graj